14.Nov. 2010
Sonntag, den 14. November 2010Ich grübele darüber, warum soviele Menschen dem Irrtum verfallen konnten, dass sie tatsächlich eine Wahrheit begriffen haben. Egal welches Thema, es ist so dumm anzunehmen, einen Kernpunkt gefunden zu haben. Jeder noch so gut ausgearbeitete Kernpunkt steht auf den wackligen Beinen unseres eigenen Verständnisses der Welt. Und aufgrund dieser dünnen Säulen einen Streit vom Zaun zu brechen, erscheint mir geradezu anmaßend. Natürlich sollen wir nicht ohne Meinung durch die Welt laufen, ich bin die Letzte, die ohne eigene Standpunkte durch die Welt laufen möchte. Aber dieser anmaßende Gedanke etwas erkannt zu haben, ohne Spielraum für Korrektur zu lassen, erscheint mir so außerordentlich dumm… Wenn ich zurück blicke (wow mit 30 kann man tatsächlich schon auf ETWAS zurück blicken…haahahhaha), dann bemerke ich, dass fast alle guten Ansätze bei den Meisten scheitern, sobald sie anfangen einen absoluten Wahrheitsanspruch für die eigene Meinung zu haben..
Wir leben in einem riesigen Kosmos mit ca. 6 Milliarden Paralleluniversen, 6 Millarden verschiedene Herzen sehen mit 6 Milliarden verschiedenen Augenpaaren die Welt, legen sie in 6 Milliarden-facher Weise unterschiedlich aus, werten Eindrücke anders… wer kann da noch behaupten, eine Wahrheit zu kennen? Und gehen wir mal direkter zum Beispiel in die Christenheit, wo alles auf die Auslegung eines Buches fußt… und jeder legt die Bibel mit einem eigenen Maß an Selbstaufrichtigkeit aus… jeder Satz malt in unseren Hirnen ein eigenes Bild, ein eigenes Verständnis.. wie irrsinnig und aberwitzig ist jedwede Streitigkeit über Glaubenserkenntnisse?
Und wie können wir selbst eine Sicherheit haben, dass das was wir glauben, die Wahrheit ist? Und wie kann man mit der Unsicherheit leben, mit diesem verschwommenen Halbwissen, das wir niemals überwinden können, weil unser Verstand begrenzt ist und eben so sehr beeinflusst von dem Leben um uns herum… wie können wir ein Gefühl des sicheren Grundes bekommen, dieses Gefühl: hier stehen meine Füße auf festem Boden. ..
Ich sehne mich nach einer Gewissheit, wohlwissend, dass es soetwas nicht wirklich gibt. Glaube… dann bleibt Glaube… manche sagen, Glaube ist das Wissen über etwas, was man nicht sieht. Ich fühle mich aber als wäre Glaube, die Hoffnung, dass es doch etwas gibt, Glaube ist das Maß der Sehnsucht des Menschen nach Klarheit. Glaube ist der Pol, der unser schwebendes Mikrouniversum auf den Boden holt. Aber ist Glaube 100%-iges Wissen? Bleibt nicht immer ein Zweifel erhaben?
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